Es gibt Abschnitte der Erdgeschichte, die man kennen kann, ohne dass sie einen etwas angehen. Das Karbon gehört nicht dazu. Wer über Kohleausstieg, Emissionshandel oder Strompreise spricht, spricht über die Hinterlassenschaft einer einzigen geologischen Periode.
Sechzig Millionen Jahre lang produzierten Pflanzen mehr organische Substanz, als die Biosphäre wieder abbauen konnte. Der Überschuss versank in wassergesättigten Mooren und blieb liegen. Die Folgen reichten bis in die Zusammensetzung der Atmosphäre: Der Kohlendioxidgehalt fiel unter das vorindustrielle Niveau, der Sauerstoffgehalt stieg auf den höchsten Wert des gesamten Phanerozoikums, und in hohen südlichen Breiten wuchs ein Eisschild.
Dieses Buch folgt der Kette vom Anfang bis zum Ende. Es erklärt, warum ausgerechnet in dieser Periode so viel Kohle entstand und warum die verbreitete Kurzformel dazu nicht haltbar ist. Es zeigt, welche physikalischen Grenzen Landgliederfüßern gesetzt sind und was sich verschiebt, wenn der Sauerstoffgehalt steigt. Und es beschreibt, wie dasselbe Ökosystem, das diese Bedingungen schuf, an ihnen zerbrach.
Aus dem Inhalt:
Kapitel 2, Der Name: Warum der Name dieser Periode auf ein Gestein zurückgeht, das der Mensch verbrennt — und warum jeder ihrer Beinamen nur teilweise stimmt. Sie lesen fremdsprachige Fachliteratur danach mit weniger Verwirrung.
Kapitel 5, Pangaea entsteht: Wie die Kollision zweier Großkontinente die deutschen Mittelgebirge auffaltete und davor genau die Becken einsinken ließ, in denen später die Kohle lag. Sie verstehen, warum Kohlevorkommen dort liegen, wo sie liegen.
Kapitel 7, Die Luft des Karbons: Der Sauerstoffrekord, die Modelle dahinter und das physikalische Fenster, das ihn nach oben begrenzt. Sie können danach beurteilen, wie belastbar die vielzitierte Prozentzahl wirklich ist.
Kapitel 11, Warum so viel Kohle entstand: Die Kontroverse zwischen einer biologischen und einer geologischen Erklärung, mit den Argumenten beider Seiten. Sie erfahren, was an der populären Kurzantwort nicht stimmt.
Kapitel 13, Die Physik hinter dem Riesenwuchs: Warum Gliederfüßer an Grenzen stoßen, die Wirbeltiere nicht kennen, und weshalb Sauerstoff allein den Befund nicht erklärt. Sie erhalten ein Kriterium, mit dem sich Dokumentationen prüfen lassen.
Kapitel 17, Das Amniotenei: Die Erfindung, die das trockene Land erschloss, und die Verzweigung, aus der jedes heutige Landwirbeltier hervorging. Sie sehen, wo Ihre eigene Abstammungslinie beginnt.
Kapitel 20, Der Zusammenbruch: Wie Kälte und Trockenheit das Biom zerlegten, das die Periode getragen hatte, und warum dieser Verlust die Evolution beschleunigte statt sie zu bremsen.
Alle Zahlenangaben stammen aus überprüfbaren Veröffentlichungen. Wo die Fachliteratur uneinheitlich ist, nennt das Buch die Spannweite. Wo eine populäre Angabe nicht belegbar war, steht das ausdrücklich dabei. Ein Literaturverzeichnis nach Themenfeldern schließt den Band ab.
Ungefähr 42.779 Wörter / 319.707 Zeichen






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